Das Hauptorchester spielte am Samstag 21.03.2026 zum vorerst letzten Mal unter Leitung von Alexander Becker im leider nur knapp bis zur Hälfte besetzten Saal des Geschwister-Scholl-Hauses in Ötigheim. 

Nichtsdestotrotz war das Orchester in einer hervorragenden Spiellaune und trotz mangelnder Probemöglichkeiten aufgrund des Landtagswahlkampfes im ersten Jahresviertel schenkte es Alexander Becker vollste Aufmerksamkeit, um ihm als Dank für 9 Jahre sehr erfolgreiches Dirigat nochmals in Musikalität und Ausdruck zu folgen. Er hatte sich seine Lieblingswerke der letzten Jahre ausgewählt und dem Orchester gelang ein sehr angemessener und intensiver Vortrag, den er mit vollem Einsatz und viel Sensibilität dirigierte. Begonnen hatte das Konzert mit der Batallia a´ 9 von Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704), zu jener Zeit ein durchaus bekanntes Ansinnen der Komponisten, Schlachten musikalisch darzustellen. Kavallerie, Trommeln, Kanonenschuss, eine Arien die den Abschied spüren ließ und am Ende das Lamento der Gefallenen – die Intention des Komponisten war deutlich zu erfahren.

Danach erklangen drei Lieder auf Basis dreier Originale des berühmten englischen Lautenisten und Komponisten John Dowland. Marcel Wengler hatte diese für Zupforchster und Sopran quasi komponiert, sich aber sehr stark an der überlieferten Fassungen orientiert. Sehr kurzfristig konnte die Sopranistin Kim Gadewoltz aus Karlsruhe gewonnen werden, da die angekündigte Adele Pape wegen einer Wettbewerbsteilnahme bei Jugend musiziert absagen musste. Da Kim Gadewoltz schon mehrfach mit uns gemeinsam aufgetreten war, war klar, dass die Chemie stimmt und sie mit ihrer großen Erfahrung und großer Freude gerne einspringt. Die drei gemeinsam vorgetragenen Lieder waren entsprechend stimmungsvoll und rund, der Vortrag großartig. Der Funke sprang auf das Publikum über. Begleitet wurden diese Stücke von der Flötistin Silke Siegel, deren Tochter ebenfalls im Orchester spielt.

Nach einigen Dankesworten des Vorstands und einem kleinen Geschenk verabschiedete Alexander Becker sich sodann mit dem lateinamerikanischen Joropo „Margeritenerias“ einstweilen vom Orchester, dem er sicherlich als Ersatzdirigent oder Bassist zur Verfügung steht, falls es seinen vielen Verpflichtungen zu lassen.  Danach sprach Landrat Prof. Dr. Christian Dusch einige lobende Worte bei der Verleihung der PRO MUSICA Plakette, er hatte es sich nicht nehmen lassen bei diesem Konzert selbst dabei zu sein. Der Verein nahm die vom Bundespräsidenten gestiftet Medaille stolz entgegen, um danach aber der Musik wieder den Vorrang zu geben.

Die (An) Spannung war bei Publikum und Orchester gestiegen, denn der Nachfolger am Dirigentenpult übernahm nun den Abend. Sichtlich erfreut und stolz verkündete der Vorstand vorher, dass das Hauptorchester ab jetzt mit fünf neuen jungen Musikern auf der Bühne sitzen darf. Ein Umstand, der nicht alle Tage oder besser Jahre vorkommt, aber für den Bestand des Vereins von größter Bedeutung ist.

Jetzt trat er auf: Pavel Khlopovskiy: erfolgreicher Konzertgitarrist und Lehrer, seit 25 Jahren aktiv im Verein, nun aber zum ersten Mal als Chef des Hauptorchesters, hatte seit Januar drei Stücke extra für das Orchester bearbeitet und intensiv einstudiert. Er stellte sich dem Publikum selbst vor, bevor das erste Werke mit ihm erklang.

Die kurze Vorbereitungszeit erhöhte die Spannung für die Aktiven, der Ausgang war offen. Aber das Orchester hatte, wie schon im ersten Teil bei Alexander, nun auch bei Pavel Khlopovskiy alles gegeben und seine ganze Bühnenerfahrung ausgespielt. Die beiden in Gitarrenkreisen bekannten Sätze aus Manuel Ponces Sonata clasica 1928, aber auch das von einem relativ unbekannten Komponisten – Rowan McTawish (*1986)-  und in Youtube zufällig entdeckten Stück „Awakening“ war sehr schön  interpretiert worden. Aus dem Publikum gab es dazu im Nachgang viele positive Rückmeldungen. Das offizielle Programm endete mit einem Tango, ebenfalls mit der notwendigen Spannung, Energie und Forza gespielt, bevor ein weiterer bekannter kleiner Tango „El Choclo“ den sehr gelungenen ersten öffentlichen Auftritt des neuen Dirigenten beendete.

Der ganze Abend, die Verabschiedung des Bisherigen, als auch der Einstand des Neuen – und dazwischen die Verleihung der PRO MUSICA Plakette – machten alle Beteiligten sehr zufrieden und neugierig auf die Zukunft. Wie es zu einem guten Konzert gehört, ließ das Orchester den Abend mit einem kleinen Stehempfang, Sekt, Bier und Pizza ausklingen.

Das Orchester und der Verein freuen sich auf die weitere erfolgreiche Zusammenarbeit mit Pavel Khlopovskiy und danken dem bisherigen Dirigenten Dr. Alexander Becker sehr.

Zu Wünschen bleibt eigentlich nur, dass zukünftig wieder einige Besucher mehr zu unserem Jahreskonzert kommen, was für uns als Musiker die größte Bestätigung und Anerkennung bedeutet. Die an diesem Abend Anwesenden schienen jedenfalls begeistert.